Stadtluft

Geschrieben von: Christian 'Jogy' Jo. 29.06.2010 um 19:58 Uhr

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durften die insgesamt 133 Teilnehmer bzw. deren 28 Wagen des ersten Gemeinschaftsprojektes von CityLiga und Virtual Racing e.V. während des dritten Juniwochenendes einen ganzen Tag lang schnuppern. Das macht 24 Stunden, 1440 Minuten oder im Falle des Siegers 740 Runden auf South City Long reversed. Bevor aber die Irrungen und Wirrungen des Renngeschehens grob skizziert werden, noch ein kurzes Wort zur Technik. Diese nimmt in der Welt des Simracings ja eine nicht minder bedeutende Rolle ein wie im realen Motorsport, wenn auch in anderer Hinsicht.
Der LfS-Server des VR hielt wacker durch, auch wenn hin und wieder Sorgenfalten angesichts sich rötender Verbindungsbalken aufkamen. Der TS3 -gestellt von der CL bzw. Jörg 'Luder' Bauer- war dem Ansturm ebenfalls gewachsen. Lediglich der Tracker, eines der entscheidenden Instrumente zur Verfolgung des Rennens, hatte Starthilfe nötig. Aber dessen "Spender" Klaus Adam war sofort zur Stelle, kurbelte ein-, zweimal kräftig an und fortan zeigte auch dieser keine Schwächen mehr.

Und damit wären wir auch schon mittendrin. Denn von diesem kleinen Schluckauf profitierte Adrian Tomczyk, dessen Internetverbindung pünktlich mit dem Aufleuchten der Startampel um 10.00Uhr abriss. Nachdem er im XRG dem Feld hinterher gehechelt war und die halbe Runde Rückstand mehr als wett gemacht hatte, sollte ihn dieses Schicksal viele Stunden später noch einmal ereilen und dann auch den fälligen Rundenabzug nach sich ziehen. Dass es seinen Teamkollegen nicht unbedingt besser erging, zeigt das kleine Video (http://www.youtube.com/watch?v=jwJIVMElqZg), in dem das Geschehen aus Sicht von Conquest Racing, letztendlich 15. (bzw. sechste in der Klassenwertung), zusammengefasst wurde. Auch in der (im Vergleich zum echten Sport Luxus-) Wertung "meiste Neuaufnahmen" des Rennens aus der Box nach eben Disconnects oder der sonstigen, eigentlich zum vorzeitigen Rennende führenden Ereignissen, mussten sie anderen den Vortritt lassen. Das Rapid Roadrunner Racing Team benötigte immerhin fünf Extraanläufe, um das Ziel erreichen zu können. Aber wer jetzt sagen möchte "Typisch Frau am Steuer", dem sei gesagt, dass Vorurteile nicht immer zutreffen. Denn Sabine Pieszkalla und Bianka Crass verursachten gerade mal einen davon, während die Herren der 3R-Schöpfung gleich viermal zulangten.
Dritte Teilnehmerin im Bunde war übrigens Silke Schneider, die mit einer souveränen Vorstellung ihren Teamkollegen von Hot Pursuit Motorsports ermöglichte, sich sorgenfrei um die sehr gelungene Verbalisierung des Livestreams (Download) zu kümmern. Den Spaß ließen sie sich trotz der Unterlegenheit des einzigen RB4 und der deswegen oft getragenen roten Laterne bei den großen TBOs keinesfalls verderben. Ähnlich wie Torsten Brandt und Andre Keidel schaffte auch Robert Graf diesen Spagat zwischen Fahren und Reden -freilich nacheinander- und konnte zusammen mit seinen Mitstreitern den Wilgrave Motorsports-XRT immerhin vor den Moderationskollegen halten.

Nach diesem kleinen Ausflug zum Fernsehen wieder zurück zu den Neuaufnahmen: gleich auf in dieser Rubrik lag das Team Gεηuine Racing GTI bzw. Tatu Neijonen, der binnen weniger Runden gleich mehrfach die Verbindung verlor und dann zum Wohle Aller das Rennen aufgab. Deutlich weiter, aber auch nicht über den Zielstrich kamen die zu den Mitfavoriten gehörenden Mannen von RING-POLICE.COM VS. RACE-STAR ConverTTable (*UFF, gut dass es "copy&paste" gibt* ;-) ). Nach Stunden voller "Pleiten, Pech und Pannen" (O-Ton Phil Rose) stellte Bastian Blust in den frühen Morgenstunden den erneut ondulierten XRT endgültig in der Box ab. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie aber bereits mehr Runden abgespult als es SimSync PRO Racing in der vollen Distanz schaffen sollten. Dies lag natürlich vor allem an den langsameren Rundenzeiten des leistungsschwächeren XFG, aber auch an einem nicht ganz reibungslos abgelaufenen Rennen. Kurios z.B. war die Szene in der 53.Runde als Joachim Politzer mit total verglühter Kupplung an der Anhöhe zur Boxeneinfahrt scheiterte und nur ein manueller Sprung an die Box blieb, um das Rennen fortsetzen zu können.
Noch ungewöhnlicher war allerdings die Aktion von M. Björndal, der nach knapp drei Stunden Fahren am Stück auf der Autobahn vor der ersten Zwischenzeit seine Steuerung änderte. Leider vereitelten zwei Rejoins im weiteren Verlauf die durchaus reelle Chance auf den Klassensieg für ineX Racing. Von den Rundenzeiten her waren sie nämlich auf gleichem Niveau wie unified+pm», die ebenfalls im XRG gestartet waren. Von einem hinteren Startplatz völlig unbeeindruckt legte Marco Schade bereits im ersten Stint ein Wahnsinstempo vor und kurvte fröhlich um die anderen Wagen herum. Die währenddessen übernommene Führung brachten die nicht weniger flotten Sebastian Seybold, Marco Schnieders und Paul Mante gekonnt ins Ziel. Dazu trugen auch die nächtlichen Internetprobleme von P. Dolezal bei, die das ebenfalls zum Favoritenkreis gezählte Team Inferno quasi aus dem Rennen nahmen. Zumindest was Rang eins, aber nicht das Podium anging. Um dessen kleinste Stufe lieferten sie sich ein immerwährendes Duell unter den schnellsten XFG-Teams mit Heroes of Racing und Austria Team. Die Alpenländer zogen nach einem Reifenplatzer bei Robert Karner letztendlich den Kürzeren, während sich Uwe Bruschke bei seiner Premiere in den Farben von HoR nahtlos in die gute Leistung einfügte, aber genauso wie seine neuen Teamkollegen die letzten Zehntel auf der Strecke einfach nicht finden konnte.

Alle anderen, ausnahmslos im XFG angetretenen Teams der kleinen Klasse konnten da nicht ganz Schritt halten. Wenn auch beispielsweise dem Immigrantenstadl-2010 um Kapitän Mika Radmer nicht allzu viel fehlte, außer vielleicht einer kleinen Portion mehr Erfahrung. Auf Platz 17. (gesamt bzw. 8 bei den GTIs) folgte mit Christian Schick der Schlussfahrer von Krautracing, die als eine der wenigen Teams nur mit regulären Boxenstpopps durchfahren konnten. Allerdings waren derer 15 soviel, dass sie inoffiziell als "Boxenstoppprinzen" betitelt werden könnten. Gleich zweimal Bekanntschaft mit dem rauhen Stadt-Asphalt machte hingegen das Dach der JallaSnails. Unschuldig daran war Frank Hütten,der in einem seiner ersten LfS-Rennen überhaupt die Anfangsnervosität schnell ablegte und eine tolle Leistung bot.
Die Top10 beschloss VoW Racing, die sich u.a. mit einem der beiden Brüderpaare des Starterfeldes, Andreas und Dirk Engelke, in ihrem ersten Langstreckenrennen ebenfalls achtbar schlugen. Dabei profitierten sie allerdings wie auch GTRS, die rund um J. Hecker Erfahrung pur in die Waagschale warfen, von der letzten InGame-Nachricht des langen Tages mit dem Inhalt "...lost connection". Diese galt R. Großmann von NOX Racing, der nach über 22h diesen Reigen beendete. Im Ziel trennten diese drei Teams gerade einmal -nach 24 Stunden lächerlich anmutende - 25 Sekunden. Wieder ein Fall von "hätte, wenn und aber", an dem sich auch BST Motorsport beteiligen könnte. Z.B. in der Art ob sie sich hätten dazwischen schieben können , wenn nicht Florian Hinz weit vorher selbiges Schicksal ereignet hätte. EXBUROS-RACING, die mit dem Litauer N. Maciulis den östlichsten aller Teilnehmer aufboten, könnte ebenso mit einstimmen wie der Generationenkonflikt, dessen eigentlich ausgewogene Mischung aus jung und (alt *ähem, Tschuldigung*) weise da auch nicht wirklich weiterhalf. Jan Esper verzichtete übrigens sehr zum Leidwesen aller Zuschauer auf die Livevorführung des nach ihm bekannten Kunststücks, unter Laien auch als Seitwärtsrolle bekannt.

Von den Kleinen und dem Spaß aber wieder zurück zu den großen TBOs und dem "Ernst des Rennfahrerlebens", dem Gesamtsieg. Fünfter wurde das Team von Concept Racing, deren XRT durch einen sehr langen ersten Stint von K. Leu und nach den Boxenstopps der Konkurrenz sogar für einige Runden Führungsluft in den Ansaugtrakt bekam. Dahinter reihten sich die Independent Rookies, wo die Brüder Wolfgang und Dieter Schmid fast genau die Hälfte der Distanz bestritten. Vom Namen sollte man sich dabei nicht täuschen lassen, denn grün hinter den Ohren war keiner mehr. Gleiches gilt auch für eXtrem Racing, bei denen M.Peters einen Großteil der Lenkradarbeit übernahm. Obwohl sie nicht ganz zufrieden waren und sich gern besser vorbereitet hätten, dürfen sie sich immerhin über den inoffiziellen Titel des "Boxenstoppkönigs" freuen.
Diesen müssen sie sich allerdings mit Xcite Racing - Die Urlauber teilen, die ebenfalls 17mal zu Besuch bei ihrer Crew waren. Deren Dauerbeschäftigung begann bereits in der 17.Runde, nachdem K. Egloff mit gebrochener Radaufhängung am FXO um den Kurs gehumpelt war. Trotz schneller Arbeit konnte dieser massive Zeitverlust nicht mehr aufgeholt werden. Bereits drei Runden zuvor stand bei Gεηuine Racing FXO eine Reparatur an, die allerdings nicht so umfangreich ausfiel. Aber am späten Abend verabschiedete sich dann auch der zweite Fronttriebler endgültig aus dem Titelrennen. Während Francois Maris nach einem Disconnect etwas länger für's Zurückkehren auf den Server brauchte, sprang N. Vallée zunächst aus der Box. Eine halbe Runde danach war sein Ausflug aber schon wieder beendet, als er merkte, dass sein Teamkollege nicht nur wieder verbunden, sondern auch schon auf der Strecke unterwegs war. Diese mangelnde Absprache kostete die eventuell entscheidenden zwei (Straf-)Runden.

Damit fiel die Entscheidung zwischen Gεηuine Racing XRT und dem CityLiga Endurance Team. Bei der Wahl der "Waffen" herrschte Gleichstand und da sich die Vor- und Nachteile beim Überrunden im Laufe der 24h i.d.R. weitestgehend ausgleichen sowie die Rundenzeiten keine gravierenden Unterschiede aufwiesen, sollten letztendlich Kleinigkeiten den Ausschlag geben. Eigentlich schon mehr als eine solche ist eine Durchfahrtsstrafe für das Überqueren der gelben Linie bei der Boxenausfahrt. Aber dieser Flüchtigkeitsfehler war nicht rennentscheidend, denn auch beim "CLET" lief nicht alles wie geplant. Im vorletzten Stint touchierte Franz Gröbmair so gegen 8:00Uhr am Sonntagmorgen kurz, aber verhängnisvoll eine der vielen, vielen Mauern in South City. Doch beim fälligen Boxenstopp streikten die Mechaniker. Man munkelt, sie seien nicht besonders erfreut über die bereits vernichteten Vorräte an hopfenhaltigen Erfrischungsgetränken gewesen. Auch, dass sich jemand großzügig am flüssigen Koffeinvorrat zu Schaffen gemacht hatte, schmeckte ihnen nicht. Doch Roman Pärschke, P. Kubinji, M. Fieseler, C. Barnick und Peter Suschlik konnten sie mit vereinten Kräften umstimmen, so dass wenigstens der zweite Anlauf klappte. Dieses Malheur verschaffte Gεηuine Racing eben die halbe Runde Vorsprung, um nach deren 740 das Rennen beruhigt als Sieger die ersehnte schwarz-weiß karierte Flagge zu sehen. Damit fuhren Pierre Peron, Eric Bitan, J. Schein, Darren Lee und Morgan Trollé mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 124,1 km/h zum verdienten Erfolg.

Viel beeindruckender ist allerdings die Zahl von 15955 blauen Flaggen, die man dem offiziellen ERGEBNIS bzw. den inbegriffenen Statistiken entnehmen kann. Mit diesem würdigen Abschluss bedanken sich die Organisatoren für die rege Teilnahme, die gezeigte Fairness und natürlich bei den vielen helfenden Händen, die zum Erfolg dieser Veranstaltung beigetragen haben.

 

For our international racers: with special thanks to avetere there is a translated version of this report (including a link to the results & stats in english too) right here!

 

 

Kommentare 

 
#1 MatzeXX Mittwoch, den 30. Juni 2010 um 23:02 Uhr
Schade das der FXO 3% bekommen hat, so waren die FXO Leute ohne chance zumal der XRT mehr Sprit mitnehmen konnte und trotzdem fast ne Sekunde schneller war. Aber das kennen war ja schon...
 
 
#2 Jogy Mittwoch, den 30. Juni 2010 um 23:08 Uhr
Zumindest ein bischen dagegen spricht aber irgendwie die schnellste Rennrunde eines FXO's, Matze!?!?!
 
 
#3 MatzeXX Donnerstag, den 01. Juli 2010 um 00:17 Uhr
mit leerem tank ;)
 
 
#4 avetere Donnerstag, den 01. Juli 2010 um 09:41 Uhr
Ich glaub' da täuscht Dich Dein Eindruck, Matze! Schau Dir mal im Ergebnis die Rundenzeitentab elle an. Das ist in jedem Rennabschnitt eigetnlich ziemlich gleich auf zwischen den vieren ganz vorne.
 
 
#5 M4ver1ck Donnerstag, den 01. Juli 2010 um 13:30 Uhr
XRT konnte gegebenenfalls länger fahren, FXO fährt sich einfacher und ist schneller --> mit den vorhandenen Mitteln recht gut gebalanced :)
 
 
#6 Æthelstan Donnerstag, den 01. Juli 2010 um 17:16 Uhr
Matze, ihr ward einfach zu schlecht
 
 
#7 HansDieter Samstag, den 03. Juli 2010 um 09:41 Uhr
Fand die regel als aussenstehender schon blöd. Bin alleine deswegen nicht mitgefahren. ;) Hätte es verstanden wenn der WR vom FXO mehr als ne halbe sekunde schneller gewesen wäre.
 
 
#8 avetere Samstag, den 03. Juli 2010 um 10:04 Uhr
Der IST doch ne halbe Sekunde Schneller! Leute, mal ehrlich: Hinterher rumheulen ist doch echt armselig. Das war alles gleichauf und zeitweise waren die FXOs sogar schneller (insb. auch Matze ...).
 
 
#9 M4ver1ck Samstag, den 03. Juli 2010 um 11:53 Uhr
http://lfs-24h.virtualracing.org/results/
Einfach mal die Stints von "06-Gεηuine Racing FXO" durchschauen und staunen was die für ein Feuerwerk abbrennen konnten!